Zur Armut und Teilhabe von Kindern in Deutschland.

Donnerstag, 09. November 2017, 14:03 Uhr
© Elena VdovinaSymbolbild: Kinderarmut wird in Deutschland seit Jahren diskutiert. © Elena Vdovina-Fotolia.de

Das wichtigste zuerst: Kinderarmut ist in erster Linie nicht ausschließlich mit finanzieller Armut gleichzusetzen: Einmal mehr weist eine Studie im Auftrag der Bertelsmann Stiftung auf Kinderarmut in Deutschland hin. Einkommen und Bildung von Elternhäusern werden verglichen. Silke Tophhoven verweist als Co-Autorin der Studie darauf, dass „die Grundversorgung meist gesichert ist“. Statt dessen fehle es den Kindern aus Familien mit weniger Einkommen an sozialer Teilhabe.

Soweit, so bekannt. Leider.

Die AWO fordert die zukünftige Bundesregierung deshalb auf, das Thema Kinderarmut endlich ernst zu nehmen und zu bekämpfen. Der AWO-Bundesvorsitzende Wolfgang Stadler machte im Zusammenhang mit der Bertelsmann-Studie deutlich: „Wenn jedes fünfte Kind in Deutschland in Armut aufwachsen muss, dann stimmt etwas nicht in unserem reichen Land. In Armut aufzuwachsen bedeutet nicht nur, wenig Geld zu haben: Kinderarmut zeigt sich in geringeren Bildungschancen, schlechterer Gesundheit und weniger sozialer Teilhabe. Also kein Fußball, Tanzen oder Schwimmen, weil eine Mitgliedschaft im Sportverein keine Selbstverständlichkeit ist.

Sozialwissenschaftler, zahlreiche Studien und Untersuchungen wie etwa die AWO-ISS-Langzeitstudie zur Kinderarmut haben in den vergangenen Jahren ebenfalls mehrfach auf diesen Befund hingewiesen. Die AWO-ISS-Studie erforscht das Thema Kinderarmut im übrigen schon seit den 90er Jahren. Und zeigt dabei eines sehr deutlich: Starke Institutionen können Kindern das bieten, was sie zu Hause eventuell nicht bekommen können.
Um Kinderarmut wirksam zu bekämpfen, braucht es neben Geldleistungen für Familien, Kinder und Jugendliche auch dauerhaft finanzierte Infrastrukturangebote und Unterstützungsmöglichkeiten im Einzelfall. Möchte man Kinder und Jugendliche bestmöglich fördern, müssen Kinder- und Jugendeinrichtungen wie Kitas, Jugendzentren und Familienberatungen gestärkt werden.

Immer wieder gibt es auch politische Ideen und Forderungen, um Kinderarmut zu bekämpfen. So will etwa die Thüringer Landtagsabgeordnete Diana Lehmann (SPD) etwa die Bekämpfung von Kinder- und Jugendarmut gesetzlich im Kinder- und Jugendhilfegesetz verankern.

Richtig so, nur passieren muss endlich etwas.

Wichtig ist mir dabei allerdings auch, dass ein Aspekt nicht vergessen wird: So sehr wir an der Bekämpfung sozialer Unterschiede in Deutschland arbeiten müssen: Wertvoller noch als Geld ist Zeit!

Das gilt für alle Familien, unabhängig vom Einkommen. Fast jeder kennt wahrscheinlich Beispiele von Menschen, die aus beruflichen Gründen kaum Zeit für die Familie haben. Auch das ist etwas, an dem wir arbeiten müssen. Familienförderung und die Verbesserung der Lebensbedingungen von Kindern allein am finanziellen Einkommen festzumachen, greift zu kurz.
Es braucht Arbeitszeitmodelle die ein Familienleben ermöglichen, es braucht Angebote, die Familie und Beruf vereinbar machen und es braucht Bildungs- und Teilhabeangebote für alle Kinder, die unabhängig sind vom Einkommen der Elternhäuser. Geldleistungen, Infrastrukturangebote und Unterstützungsangebote dürfen dabei nicht gegeneinander ausgespielt werden. Kommunen, Länder und der Bund müssen gemeinsam ihre Verantwortung für die Ausgestaltung der Daseinsvorsorge für Familien wahrnehmen.


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