Agile Transformation auf allen Ebenen – Die 3. Agile Night Austria

Dienstag, 05. November 2019, 15:57 Uhr

In den Workshops der ASQF-Fachgruppe Agilität Österreich im Jahr 2019 wurden Aspekte der agilen Transformation auf unterschiedlichen Ebenen behandelt: Inwieweit wirkt diese auf jeden Einzelnen, welche Veränderungen in der Zusammenarbeit innerhalb und zwischen Teams sind zu beobachten und welchen kulturellen Wandel vollziehen Organisationen als Folge von oder Voraussetzung für Agilität?

Diesen Fragestellungen waren auch die Beiträge auf der Agile Night gewidmet. Nach der Begrüßung durch Manfred Baumgartner (Leiter der ASQF Fachgruppe Agiliät, Nagarro), Andreas Mayerhofer-Bollek (stv. Leiter der ASQF Fachgruppe Agilität, Erste Group IT) und Gerwald Oberleitner (Microsoft Österreich) zeigte David Heitzinger (Raiffeisen Bank International) mit seinem Vortrag „Ein Containerschiff wird Agile“ wie es gelingen kann, ein sehr großes und komplexes Unternehmen auf den agilen Kurs zu bringen. Der Vortrag machte auch deutlich, dass dieser Wandel nicht von heute auf morgen geschieht. Viele Dimensionen sind zu beachten und zu bearbeiten und dies gelingt nicht gleichzeitig in allen Bereichen. Daher sieht Heitzinger eine „Adaptive Organisation“ als Voraussetzung für eine erfolgreiche agile Transformation. Der holistische Ansatz bei RBI zielt auf den Wandel von Projekten zu Produkten (tribes), Kultur, Mitarbeiter*innen, Organisation, Prozesse und Governance ab. Diese Veränderungen basieren auf formulierten und gelebten Werten wie agiles Mindset, agile Software-Entwicklung, DevOps, Value first, etc. All diese Anstrengungen werden aber nicht unternommen, weil Agil modern ist, sondern weil gerade auch für Unternehmen des Finanzsektors die See rauer geworden ist.

Wieviel an Veränderungen kann quasi von „Oben“ verordnet werden und was kann/soll/muss von „Unten“ her entstehen und wie? Daniel Eder (Nagarro) widmete seinen Vortrag der „Agilität durch Freiräume in Organisationen“. Freiräume motivieren, sind Quelle von Innovationen und steigern auch die Produktivität – aber nicht mit dem Zugang „Ab jetzt macht jeder, was er will“. Freiräume müssen gemeinsam mit der Führungsmannschaft klar und verständlich definiert und geschaffen werden. Die Betroffenen wollen und sollen diese vernünftig mitgestalten. So entwickelt sich Autonomie in einer sicheren Umgebung. An die Stelle von Kontrolle tritt das Vertrauen, dass auf allen Ebenen unmissverständlich formulierte Erwartungshaltungen erfüllt werden.

Die Schlussfolgerungen der vorangegangenen Vorträge deckten sich auch mit den Erkenntnissen aus den drei Workshops der ASQF-Fachgruppentreffen im heurigen Jahr Mindset, Skills & Kultur – Der Mensch im Mittelpunkt; Culture & Agile Teams – Das Team im Mittelpunkt; Struktur & Organisation – Das Unternehmen im Mittelpunkt. Andreas Mayerhofer-Bollek und Manfred Baumgartner berichteten in ihrem Workshop-Round-Up dass es sich lohnt, die Herausforderungen des agilen Wandels auf den verschiedenen Ebenen unterschiedlich zu behandeln. Die meisten Mitarbeiter*innen, Teams und Organisationen bewegen sich noch in einer Kultur, die mit agilen Prinzipien und Werten nicht unbedingt im Einklang stehen. Auch kann der Weg in die agile Welt nicht über einen Kamm geschert werden, sondern bedarf einer intensiven Auseinandersetzung mit der eigenen Situation und Geschichte und der Vision für die Zukunft. Die Ergebnisse der Workshops sind im Blog der ASQF-Fachgruppe Agilität nachzulesen: https://www.asqf.de/category/agilitaet/

Nach der Pause, die von den Teilnehmer*innen intensiv für den Erfahrungsaustausch genutzt wurde, präsentierten Veronika Kotrba und Ralph Miarka (sinnvollFÜHREN) die „12F der Fairänderung“. Damit für Menschen die Veränderung nicht ein Verlust („weg-von“), sondern ein Gewinn („hin-zu“) wird, muss diese auch als fair wahrgenommen werden. So gibt es zum Beispiel viel Funktionierendes, das nicht aus Prinzip in die Ecke gestellt werden soll, vieles geschieht freiwillig und muss nicht verordnet werden, eine konstruktive Fehlerkultur und neue Formen des Führens in einer freundlichen Umgebung, schaffen die Grundlage für eine erfolgreiche Transformation ohne den Fokus auf das gemeinsame Ziel zu verlieren.

Oftmals treffen organisatorische Hierarchie und agile Teamrollen aufeinander ohne Klarheit darüber, wer was tun darf oder tun soll. Autonome Teams werden aufgestellt ohne dass die Entscheidungsgrenzen definiert sind. Richard Brenner (TechTalk) erläuterte in seinem Vortrag „Enable local decision making with clarity of roles and clear boundaries“, wie eine Kombination aus RACI-Matrix (Responsible, Accountable ,Consulted, Informed) und Delegationspoker dazu beiträgt, kontinuierlich an der organisatorischen Klarheit zu arbeiten. Dies ist keine einmalige Aufgabe, sondern eine kontinuierliche Diskussion zwischen den relevanten Parteien, immer mit dem Ziel, besser und fundierter lokale Entscheidungsfindung zu ermöglichen.

Im abschließendem Vortrag „Agilität weiter gedacht! Von der Software-Entwicklung in das gesamte Unternehmen.“ schilderte Valentin Klausburg (openFORCE) wie es der openFORCE gelungen ist, agile Prozesse, die in der Software-Entwicklung bereits erfolgreich im Einsatz waren, in die Unternehmensführung zu integrieren. Es wurde beleuchtet, warum die klassische Unternehmensführung nicht mehr ausreichend war und welche Lösungen für die Probleme gefunden wurden, die mit der agilen Transformation einhergegangen sind. Valentin Klausburg konnte davon berichten, wie nicht nur die Mitarbeiter*innen, sondern das gesamte Unternehmen vom Kulturwandel profitieren.

Vor dem gemütlichen Ausklang und Networking bedankte sich Manfred Baumgartner im Namen des ASQF bei allen Teilnehmern und bei den Sponsoren der Veranstaltung: Austrian Testing Board, d.punkt-Verlag, inflectra, iSQI, Microsoft sowie Nagarro.

Die Fachgruppenleiter Agilität Österreich, Manfred Baumgartner und Andreas Mayerhofer-Bollek, luden alle Teilnehmer*innen ein, die Workshops in 2020 unter dem Thema „Diversity@Agile“ mitzugestalten.
Die Termine: WS I 26.03., WS II: 18.06. WS III 24.09., Agile Night 26.11.2020.

ASQF net: Alle Vorträge der Veranstaltung stehen im Mitgliederbereich des ASQF als Download zur Verfügung.

 

 


Arbeitskreis Software-Qualität und -Fortbildung e.V.

Der Arbeitskreis Software-Qualität und -Fortbildung e.V. (ASQF) ist das Kompetenznetzwerk für Software-Qualität im deutschsprachigen Raum. Die über 1.200 im ASQF engagierten Global Player Unternehmen, leistungsstarken Mittelständler, Fachleute, Hochschulen und Forschungseinrichtungen vereint der gemeinsame Einsatz für hohe Standards in der Informations- und Kommunikationstechnologie. Know-how, Produkte und Dienstleistungen auf höchstem Niveau zu schaffen ist besonders in der Software-Branche mit ihrem starken internationalen Wettbewerb entscheidend. Die ausgezeichnete Qualität der Software-Produkte ist der strategische Wettbewerbsvorteil und damit Standortfaktor Nummer 1. Diesen Qualitätsvorsprung zu sichern und nachhaltig auszubauen ist daher oberstes Anliegen der ASQF-Mitglieder in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Dieses Anliegen wird im ASQF gebündelt und verstärkt.